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ScherbenMeer

Projektjahr: 2008

Es war sonnig und angenehm warm. Keine Wolke stand am Himmel. Maria radelte hinunter zum Bach. Bei der Brücke blieb sie stehen und stieg ab. Ihr Schulfreund Klaus, den sie dort treffen wollte, war noch nicht da.

KünstlerIn: Georg Bydlinski

Schule: Volksschule St. Ulrich

Skulptur: ScherbenMeer

 

Die Klasse von Maria und Klaus hatte die ganze Woche lang hier, gleich neben der Brücke, gearbeitet: Auf einer kleinen Hügelwiese hatten sie bunte Mosaike aus Fliesen und Scherben gelegt. Maria sah sich die Kunstwerke noch einmal ganz genau an. Ein Mosaik war eine Blume mit einer Schnecke darin. Ein anderes sah wie eine Flasche aus. Maria selbst hatte einen Regenbogen gelegt und Klaus eine Seeschlange, die sich um einen Stein schlängelt.

Maria fragte sich, wo Klaus nur steckte. Sie machte es sich in der Wiese gemütlich und hörte dem Rauschen des Baches zu. Sie war müde und stolz auf das Farbenspiel der bunten Formen, das ihre Klasse geschaffen hatte. Plötzlich blinzelte ihr das Mosaik, das ein Auge darstellt, zu. Maria erschrak. Die Seeschlange ringelte sich um ihre Beine. Aus der Flasche schwebte ein Flaschengeist heraus und tanzte wild. Der Mosaik-Ziegenbock wollte die Blume samt Schnecke fressen.

Maria fürchtete sich. „Was ist hier los?", rief sie aus. Die Schlange löste sich von Maria und zischte: „Seht her - ich bin die Schönste von allen Figuren!" Der Flaschengeist schrie: „Nein, das bin natürlich ich!" Der Ziegenbock meckerte: „So ein Blödsinn! Ich bin der Schönste und Klügste und Stärkste!" Er rammte den Flaschengeist mit seinen Hörnern, und die Flasche zerbrach in viele Scherben.
Bald rauften alle Figuren. Sie stießen und schlugen und traten aufeinander ein. Nach einer Weile lagen nur noch Scherben auf dem Boden. Es war ein riesiges Scherbenmeer. Maria war traurig und betrübt. Die ganze Arbeit ihrer Klasse war umsonst gewesen!

Plötzlich spürte Maria ein Kitzeln am Hals. Jetzt kitzelte es an der Wange. Und jetzt an der Nase. Maria machte die Augen auf und sah Klaus vor ihr stehen. Er hielt einen langen Grashalm in der Hand.
„Guten Morgen, du Schlafmütze", sagte er. „Hast du etwas Schönes geträumt?"
Maria sprang auf und rannte zum Scherbenmeer hinüber. Alle Mosaike waren unversehrt und glänzten prächtig in der Sonne. Erleichtert atmete Maria auf.
„Können wir jetzt endlich Fußball spielen gehen?", sagte sie.


(Volksschule St. Ulrich am Pillersee, 4. Klasse, 19. 5. 2008)

 

ScherbenMeer (49k)

 

KünstlerIn: Georg Bydlinski

Schule: Volksschule St. Ulrich

Skulptur: ScherbenMeer

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